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Bericht 1.Weekend |
Autor: Dani
Falsch ist, dass ein Militärlastwagen am Bahnhof Horgen mit heruntergelassener
Ladeklappe auf unser Einsteigen wartete. Richtig ist, dass wir uns tatsächlich
um sechs in der Früh einzufinden hatten, um ungebüsst zu bleiben. Wohlgemerkt,
es war Samstag!
Nachdem Gian-Luca seinen Volvo erfolgreich in der Seerose parkiert hat und
somit sozusagen pünktlich ist, dürfen wir in einem VW-Bus Platz nehmen, der uns
in eine ungewisse Zukunft entführen soll. Unter fachkundiger Leitung von Martin
und Roger beginnt eine Odyssee mit nahezu epochalem Charakter.
Kaum auf der Autobahn enthüllt sich Rogers Talent zum Rennfahrer mit eisernen
Nerven. So ein Bus läuft ganz schön schnell wenn man das rote Warnlämpchen mit
stoischer Ruhe missachtet. Christoph, der gerne selbst hinter dem Steuer Platz
nimmt ist die Sache nicht geheuer und er bietet sich schnell als Kopilot an.
Schliesslich werden in der Führerkabine die Magennerven weniger gestresst als
auf den hinteren Rängen. Bei späterer Gelegenheit sollte sich allerdings
herausstellen, dass es um Christophs Magen wirklich nicht zum besten steht.
Hinten gehts schon bald ziemlich kräftig ab. Soll mal einer behaupten die Old
Friends könnten nüchtern nicht laut sein! Kurz nach dem ersten Boxenstopp
durchquert unser Gefährt den Gotthard. In Vorfreude auf den mediterranen Charme
in kurzen Röcken schwellt das Geplärr und Gegröle der pöbelnden Meute zu einem
solchen Inferno an, dass Mika Wolf sichtlich Mühe bekundet die nötige Ruhe zu
bewahren, um Bestzeiten zu erzielen. Ratschläge zur fahrerischen Taktik gibts
von hinten ja genug, beschwer dich also nicht Roger!
Dann, in der nähe von Brissago bei mindestens 120 dB, der zweite Boxenstopp.
Erster Auftritt von Gian-Luca, unserem papparazzi. Gruppenbild auf stark
befahrener Strasse vor dem Lago Maggiore und eine Nahaufnahme von Christoph
beim verrichten seiner Notdurft – ja, da hilft alles Schreien nichts.
Schonungslos werden die Details auf Celluloid gebannt!
Punkt zehn Ankunft in Stresa (Italien). Good job Roger!
In Anbetracht unserer Stimmung wäre ein Empfangskommittee von knackigen
Cheers durchaus angebracht. Statt dessen werden uns von drei Guides
Bikerhandschuhe verteilt und ein Sturzhelm auf den Kopf gedrückt. Auf dem Monte
Mottarone (1491 m.ü.M.) gibts dann noch den nötigen fahrbaren Untersatz dazu.
Leider sind nicht alle Bikes in gleich gutem Zustand, was Peter, Patrick und
Dani schnell bemerken und sie zu einem taktischen Stellungsspiel in der
Warteschlange veranlasst. Nur das Beste ist gut genug! Schnell Sattel
einstellen, Gangschaltung einüben und ab geht’s zum Downhill! Der Teufel liegt
im Detail und zwar in Form von Steinen die unverhofft vor dem Vorderrad
auftauchen und unangenehmen Einfluss auf die Fahrstabilität haben. Die
Handgelenke und Finger sind mächtig gefordert. Bremsen, dann wieder loslassen,
ausweichen und trotzdem das Hinterrad des Vordermanns nicht aus den Augen
verlieren. Schliesslich sind die Old Friends Winnertypen und geben nicht so
schnell klein bei. Alles klar? Nur Gian-Luca bekundet einige Mühe und
versichert uns, dass dies wirklich die einzige Sportart ist, welche ihn nicht
zu Höchstleistungen treibt. Mit den wenigen Gegensteigungen kommen aber auch
noch andere in Nöte und haben Gelegenheit sich ernsthaft über ihren Tabakkonsum
Gedanken zu machen.
Nicht alles dauert ewig. Mitagessen im Grotto. Feine Pasta und Bier im
Überfluss. Das Stimmungsbarometer steigt, die drei Guides nehmens etwas besorgt
zur Kenntnis, schliesslich haben wir erst Halbzeit. Trinkfestigkeit und
kalkuliertes Risiko bewähren sich auf der zweiten Etappe. Der Rennfahrergeist
lässts aber nicht immer zu und so ergeben sich einige brenzlige Situationen.
Nichts Schöneres als den Vordermann im Kampf mit einem drohenden Sturz zu sehen
und ihn hinter sich zu lassen. Die Guides, von unserer Standfestigkeit
überzeugt – wir haben auch die Treppen gemeistert - wählen zum Schluss eine
Route dies in sich hat. Absitzen und runterkraxeln ist angesagt. Nur Andi
übertrifft sich selbst und schliesst mit einem Salto über den Lenker. Reife
Leistung und erst noch unverletzt. Wir geben Stilnote zehn!
Zurück in Stresa wieder mal ein kühles Bier. Terrasse mit Blick auf den See,
das Leben kann so schön sein! Nur, verdammt noch mal, Mädchen hats keine! Also
steuern wir unser Ausgangsziel an. Martin und Roger werdens schon gerichtet
haben. Intragna im Centovalli, Technoklänge sind keine zu vernehmen. Dafür
begrüsst uns ein drahtiger, durchtrainierter Abenteuer-Lifestyle Typ und bietet
uns zwei Tipi zur nächtlichen Unterkunft an. Das kann ja heiter werden! Also
rein in die Ausgangskluft – angesichts der Badlatschen-Zeltplatz-Atmosphäre
absolutely overdressed – begeben wir uns ins Zeltplatzrestaurant zu einem
Apéro-Bier. Squaws sind keine zu erspähen – also, all ihr hübschen Freundinnen,
kein Grund Old-Friends-Anlässe kritisch zu beäugen – ein feucht-fröhlicher
Abend und reine Männerfreundschaft erwarten uns. In einem nahegelegenen Grotto
verköstigen wir uns mit Entrecôtes und laben uns an einem Gläschen Wein.
Irgendwer bestellt eine Grappa-Flasche und stellt sie mitten auf den Tisch.
Eins ist klar, die anderen Gäste werden gleich das Weite suchen. Denn jetzt
wird’s laut. Hugo geht nach links....oder wars jetzt doch rechts? Die
Siebnerreihe hat so ihre Tücken und der Grappa auch. Markus entpuppt sich als
wahrer Zahlenvirtuos und bleibt nüchtern. Christophs Magen rebelliert nun
vollends und entleert sich vor dem Eingang. Da gibt’s noch zu üben! Andere
haben weniger Probleme und Yves – in weiser Vorahnung unserer Trinkgewohnheiten
- spendiert uns zurück auf dem Zeltplatz eine Kiste Bier. Na denn Prost und
gute Nacht!
Christoph hat sich erstaunlich gut erholt, will aber auf dem Weg zu unserem
nächsten Abenteuer das Steuer trotzdem selbst in die Hand nehmen. Ja ja, so ein
Bus ist halt nicht so handlich wie ein Alfa Spyder. Wendemanöver auf schmalen
und steilen Strassen bringen Christoph aus der Ruhe und den Motor abermals zum
sterben. Ist das Wohnmobil deiner Eltern wirklich keine Erfindung?
Vor einer kleinen Seilbahnstation steht wieder jener drahtige Typ mit zwei
Kollegen. Die Zeit scheint zu drängen. Wir zwängen uns also in Neoprenanzüge
und zurren unsere Gstältli mit dem Karabiner fest (Vorschläge für die
Hochdeutsche Übersetzung von s'Gstältli" werden gerne entgegengenommen).
Noch einen Helm auf die Rübe und ab geht's. Das Wasser in diesem unwirtlichen
Flüsschen ist bitterkalt aber Old Friends sind keine Memmen und legen sich
wagemutig ins Becken. Geiles Feeling hä, wie das Wasser so langsam den ganzen
Körper umspült und sich langsam aufwärmt? Und nun gilts ernst. Mutige vor! Über
ne felsige Naturrutschbahn muss man sich gleiten lassen, um anschliessend noch
fünf Meter in ein Becken zu stürzen. Abseilen unterm
Wasserfall....waten...schlurfen...schlipfen....und in das nächste Becken
springen. Wir sind schon Teufelskerle. Die Naturgewalt ist wirklich imposant
und beinahe unbezwingbar scheinen einige Passagen.
Mit Bärenhunger und müden Knochen entledigen wir uns der nassen Kleider und
schleppen uns ins nächste Grotto. Baslerdiitsch ist angesagt. Die erste Frau an
diesem Weekend! Schnell besinnen sich die Old Friends ihrer Tugenden und
präsentieren sich mit entblösster Brust am Tisch. Schliesslich wollen wir noch
etwas braun werden und die nette Basler Dame soll von unseren gestälten Bäuchen
in Bann gezogen werden - und Yves lässt ja seine Brusthaare nun auch wachsen!
Für den 007-James-Bond-Sprung, genannt Goldeneye, reichen Mut und Zeit nicht
mehr ganz und wir ziehen es vor nach Hause zu fahren. Streng genug wars ja. Auf
der Autobahnraststätte dann die Natels zücken und den Freundinnen berichten -
schliesslich braucht auch der härteste Mann mal ne kleine Pflege.
Auf zum nächsten Mal Jungs!